David O'Kane

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David O’Kane: Doppelgänger

Kommentiert von Stephan Diesel, Februar 2009

www.jaquesjuergen.wordpress.com/kunstprojekt/david-okane-doppelganger/

David O’Kane. Diesen Namen sollte man sich merken. Der Rauch-Schüler und frische Diplomstudent aus Irland vollzieht nämlich einen Spagat zwischen Bild und Film. Malt er? Er filmt. Doch seine Filme bestehen aus Bildern und seine Bilder ziehen Namen wie Rembrandt, Freud, O’Brien, Svankmajer, Kafka, Wilde hinter sich her. O’Kanes Bilder tragen dieses künstlerische oder geistige Erbe in sich, der Holzrahmen, der die Leinwand trägt, ist aus den Büchern, Ideen oder Werken dieser Künstler gefertigt. Doch auf der Leinwand selbst sieht man nur David O’Kane.

In eigener Reflektion. Das Wissen um unsere Mitmenschen und Umwelt scheint auf unsere sensorischen und urteilenden Fähigkeiten beschränkt, Urteile über uns selbst sind sogar durch die Selbstreferenz noch größeren Verzerrungen ausgeliefert. Die Spaltung zum Selbst erforscht O’Kane in seiner Serie Doppelgänger, indem er dem Subjekt seine eigenes Tun entgegenstellt. In den dargestellten Porträts entsteht eine Distanz zwischen der Wirklichkeit und dem Selbst, da die Wirklichkeit sich im Spiegelbild verändert, letztendlich verschwindet. Die Fehler oder Unterschiede in der Reflektion, aber auch die eigentliche Bewegung lösen diese vom Objekt und werden zum Kunstwerk mit eigenen Regeln. Es ist auch die Distanz zu unseren Taten und unserem Handeln, die sich von einem stillstehenden Bild abhebt, ein Bild, das aus ziemlich unveränderlichen Ansichten, Ideen oder Geist besteht. Arnold Gehlen hat die Handlung als Grundlage und Absicherung für den Menschen oder das Menschliche gesehen, der sich durch seine Unspezialisiertheit in einer Welt zurecht zufinden hat, die fremd für ihn ist, und in die er sich einpassen, die er anpassen muss. In O’Kanes Serie übernimmt der Doppelgänger diese Funktion, wie im Bildnis des Dorien Gray verschafft er dem Subjekt eine Distanz zur Wirklichkeit, die es zum Atmen und Reflektieren braucht. Was diese Reflektion uns bietet, ist Kreativ und innovativ, es weicht von der wirklichen Norm ab und sorgt für fruchtbare Prozesse der Veränderung.

Dieses Tryptichon ist das jüngste und zugleich symbolträchtigste Werk O’Kanes. Gut, dass es hier übereinander angeordnet ist, denn gleicht die Bildfolge dem Aufbau eines Hauses: Dachboden, der Übergang und die Schnittstelle Treppenhaus, Keller. Wie in Hitchcocks „Psycho“ geschieht im Dachboden die Transformation und Doppelexistenz der Hauptfigur, nur dort kann er beide Persönlichkeiten ausleben. Es ist ein Ort der Psychoanalyse und der Obduktion, wie der Titel „Dissektion“ (Zergliederung, med. Sektion) bereits andeutet. Die zentrale Figur erinnert an Rembrandts „Anatomie des Dr. Tulp“ und an eine Darstellung des Leibs Christi. Sie unterliegt der praktischen Obduktion mit Skalpell und Werkzeug, aber auch dem inneren Sezieren von Gedanken. Man achte hierbei auf die männliche Person ganz links, die in einer wunderbaren Pose die Verlängerung des Dachbalkens bildet, und mit verbundenen Augen den Liegenden umfängt. Auch hier spielt O’Kane mit dem Motiv der Reflektion und Spiegelung. Die 9 Assistenten in weißen Kitteln spannt der kleine Junge zwischen seinen Händen, die Fenster finden ihren Widerpart auf dem Gestell. Auch im Treppenhaus, der Doppelgänger im Spiegel. Entblößte Füße, die Tür ins weiße Nichts. Herkunft, Ziel, Rast. Distanz auch hier. Ein unbewegter Ruhepunkt. In der Animation bahnt sich ein Rinnsal, vom Leichnam des Obergeschosses, den Weg ins Treppenhaus, sammelt sich als Kubus um den Sitzenden, um sich dann in den Keller zu entleeren. Die Lichtquelle, weiße scheinende Flächen, nimmt von Bild zu Bild ab, wandert man nach unten, liegen die Elemente im Dunklen und Verborgenen. Dort ist Wirklichkeit nur noch als unkenntliche verhüllte Erinnerung vorhanden, das Wachsende bedroht. Ein dunkler Untergrund, wo schwerlich etwas zu erkennen ist.

Das Tryptichon, wie auch David O’Kanes andere Werke, ist eine psychologische Komposition, das das Wesen des Menschen seziert. Es dringt in die Tiefe des Verstandes, und versucht, dessen Motivation zu rekonstruieren. Symbolträchtig wird der Mensch als Subjekt in den Mittelpunkt der Bilder gestellt und verliert sich doch im intrepretativen Labyrinth seiner Annahmen und Vermutungen. Die Figuren in David O’Kanes Werken versuchen, das Unfassbare zu erkunden, doch sind sie zu involviert in ihrer eigenen Position, dass sie die Reflektion über die Spiegelung dem Betrachter überlassen müssen. Sie können sich entweder mit sich selbst oder ihrem Abbild beschäftigen, nicht jedoch mit beidem gleichzeitig.

Dabei blickt der Künstler herausfordernd aus seinen Bilder, und wartet auf die Reaktion. Nur der Betrachter ist in der Lage, die Reflektion zu reflektieren, nur er ist Beobachter des Beobachters und des Beobachtbaren.

 

Text: Copyright Stephan Diesel

Alle Rechte vorbehalten

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Die Abbildungen erscheinen mit freundlicher Genehmigung des Künstlers. Alle Rechte sind David O’Kane vorbehalten.

 

 

Leipzig International Art Programme Dokumentarfilm

Juli 2008, Leipzig, Germany

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O'Kane und seine Komplizen;

Aus dem Atelier im Wald: Kunst und künstliche Assistenten von drei irischen Brüdern in der Galerie Schuster

August 2, 2003, Kultur Rhein/Main, Frankfurter Allgemeine

Haus und Häuslichkeit, auch die inszenierte, spielen für die drei Iren, deren Elternhaus ganz auf Kunst eingestellt ist, eine bedeutende Rolle. Insbesondere der achtzehnjährige David - Eamon O'Kane präsentiert im Untergeschoss der Galerie Arbeiten seiner Brüder Matthew und David, die beide in Dublin Malerei studieren - hat Gefallen an theatralisierten Interieurs mit umherwirbelnden Soldaten in historischem Gewand, die als Ideenskizzen zu Ausstattungsfilmen mit Mantel- und Degenromantik taugen würden. Die preisgünstigen, am wenigsten aufdringlichen und dabei anregendsten Beiträge zum irischen Familiengipfel sind derweil Etüden in Schwarzweiß: Unikat-Radierungen, für die David O'Kane Kunststoff als Druckträger verwendet, der nur einen einzigen Abzug erlaubt. Vor allem im Porträt offenbart der jüngste O'Kane erstaunliche Charakterisierungskünste - ganz ohne Imagemakers.

 

Dorothee Baer-Bogenschütz

 

Copyright 2003 Frankfurter Allgemeine
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Experimente mit der symbolischen Macht der Natur

Juni 20, 2007, The Irish Times

Magie ist für die Arbeit von O'Kane ebenso, obwohl auf eine spitzbübisch, subversiv Weise relevant. Er unterhöhlt jeden Begriff des echten, zuerst postulierend und dann auf anscheinend Darstellungen verzichtend. Wie die ersten Kameramänner genießt er die Fähigkeit des Films, die Mechanik um die Wahrnehmung in seinen Videozeichentrickfilmen zu betrügen. Er zitiert Baudrillard, der kulturelle Theoretiker, der behauptete, dass wir immer mehr in einer Welt von Abbildern, Depthless-Zeichen, entfernt von jeder vorgestellten Wirklichkeit leben. O'Kane entwickelt einen zusammenhängenden Körper von Motiven, von der Idee von einem archetypischen metaphysischen Interieur zum Gebrauch von Papier als ein Symbol von Kenntnissen, Untersuchung und Darstellung. Seine Bilder faszinieren ...

 

Aidan Dunne

 

Copyright 2007 The Irish Times
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The Irish Times